Blog unserer Sicherheitsexperten

Sicherheit liegt uns am Herzen. Die Experten der Initiative „Kleine Helden fahren sicher“ informieren Sie in diesem Blog über die neusten Erkenntnisse aus der Forschung, über Studienergebnisse und über die aktuelle Gesetzgebung. Haben Sie eine Frage an das Experten-Team oder möchten mit ihm in Kontakt treten? Dann schreiben Sie uns doch bitte einfach kurz.  

12.12.2014

Wie reisen Kinder im Flugzeug sicher?

 Dr. med. Wolfram Hell erklärt in seinem Blogbeitrag, wie Kinder im Flugzeug sicher reisen. Als Bereichsleiter der Biomechanik, Unfallforschung und Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist es ihm ein Anliegen, dass Kinder im Auto, genauso wie im Flugzeug, sicher unterwegs sind.

Kindersicherheit im Flugzeug steht bei Familien nicht weit oben auf der Prioritätenliste, wenn die Reise für den Urlaub geplant wird. Auch wenn ein Kindersitz im Flugzeug gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, wie das im Auto der Fall ist, kann ich nur empfehlen, trotzdem einen Sitz an Bord zu verwenden.

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Oftmals wird angenommen, dass man keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen treffen muss, da es so wenige Flugzeugunglücke gibt. Diese Annahme stimmt jedoch nicht ganz: Es gibt zwar wenige schwere Unglücke, allerdings erfahren viele Menschen aus den Medien nicht, wenn es auf Flügen zu Turbulenzen durch Luftlöcher oder schwierige Wetterbedingungen kommt. Wer kennt nicht eine Geschichte aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis über einen unruhigen Flug. Wenn Kinder im Flugzeug nicht richtig gesichert sind und es zu Turbulenzen kommt, können sie gegen die Vordersitze oder Armlehne des Flugzeugs oder noch schlimmer gegen die Decke prallen. Das kann zu schweren Verletzungen führen. Ich kann Eltern nur empfehlen, ihre Kinder altersadäquat zu sichern. 

#1: Wie sind Kinder im Flugzeug richtig gesichert?

Kinder bis zu zwei Jahren sollten auf jeden Fall in einem Kindersitz gesichert werden. Allerdings erhalten Kleinkinder unter zwei Jahren keinen eigenen Sitzplatz. Eltern müssen diesen extra hinzubuchen. Die Kinder auf dem Schoß zu sichern, sehe ich als kritisch an. Der dafür vorgesehene Zusatzgurt ist umstritten und in den USA sogar verboten. Der Gurt könnte in die Weichteile der Kinder einschneiden und so zu Verletzungen führen. So absurd das klingt, aber Kinder können auch als eine Art „Airbag“ für die Eltern wirken und eher Verletzungen für Erwachsene abfedern. Wenn die Kinder etwas älter sind, zwischen drei bis vier Jahren, kann man sie auch ohne Kindersitz mitfliegen lassen, mit Sitz wäre aber noch sicherer. Auf jeden Fall muss der Flugzeuggurt immer angelegt sein und wenn die Ergometrie des Kindes noch nicht zu dem Gurt passt, sollte zusätzlich eine Sitzerhöhung verwendet werden. 

#2: Welchen Kindersitz darf man an Bord verwenden?

Achtung! Nicht jeder Kindersitz, den man im Auto verwendet, ist für eine Flugreise geeignet. Nur Kindersitze, die mit einem Zwei-Punkt-Gurt am Sitz befestigt werden können, sollten verwendet werden. Generell findet man auf den Sitzen, die für Flugzeuge zugelassen sind, die Kennzeichnung „For use in aircraft“ des TÜV Rheinlands. Auf den meisten Webseiten der Fluggesellschaften werden auch Modelle von Kindersitzen genannt, die zugelassen sind. 

#3: Gibt es Unterschiede in den einzelnen Ländern? 

Generell muss man sich vor der Reise bei seiner Fluggesellschaften informieren, da jede Fluggesellschaft eigene Vorschriften hat. Es erhalten nur Sitze die Erlaubnis, die von der Behörde eines EU-Mitgliedsstaates, der FAA (Luftfahrtbehörde der USA) oder Transport Kanada (auf der Grundlage einer national technischen Norm) für die ausschließliche Verwendung in Luftfahrzeugen zugelassen und entsprechend gekennzeichnet sind. Für Flugreisen außerhalb Europas gilt weiterhin europäisches Recht, wenn man mit einer europäischen Maschine unterwegs ist. 

#4: Kann der Kindersitz auch in dem Zielreiseland für das Auto benutzt werden?

Im Idealfall verwendet man einen Kindersitz, der den Normen des jeweiligen Zielreiselands entspricht. So kann man den Sitz dann auch für die Weiterreise mit dem Auto oder Wohnmobil verwenden. Allerdings haben unterschiedliche Länder auch unterschiedliche Kindersitz-Regelungen. So gelten in den USA andere Bestimmungen als in Kanada oder Neuseeland. So sind beispielsweise die sogenannten Fangkörpersitze in Australien und Kanada nicht zugelassen, weil sie den länderspezifischen Sicherheitsstandards nicht genügen. Prinzipiell ist es häufig nicht zulässig, europäische Kindersitze auf anderen Kontinenten zu nutzen. In manchen Ländern sind auch bestimmte Systeme, die in Deutschland zugelassen sind, verboten. Eltern sollten rechtzeitig überprüfen, ob ihr Kindersitzmodel auf dem dortigen Markt zugelassen ist. 

Mehr Informationen zu Reisen mit dem Kind im Flugzeug gibt es hier. Im Interview verrät Dr. Hell noch mehr zu diesem Thema. 

 

 

 

 

 

20.10.2014

Ist rückwärtsgerichteter Transport die sicherste Option für Kinder?

Dr. Lotta Jakobsson ist technische Leiterin für den Bereich Sicherheit bei Volvo und Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Chalmers in Göteborg. Sie forscht seit über 20 Jahren auf dem Gebiet der Fahrzeugsicherheit und der Biomechanik mit dem Ziel, das Auto für Kinder und Erwachsene sicherer zu machen.

Der erste Sicherheitssitz für Kinder wurde als Prototyp 1964 entwickelt. Bereits drei Jahre später, 1967, kam der erste rückwärtsgerichtete Kindersitz auf den Markt. Schweden führte als erstes Land rückwärtsgerichtete Kindersitze ein. Seitdem ist es dort zur Tradition geworden Kinder so lange wie möglich rückwärtsgerichtet zu sichern, idealerweise bis zu vier Jahren. Welche Technologie steht hinter rückwärtsgerichteten Kindersitzen? Warum sind diese Sitze sicherer für Kinder im Falle eines Unfalles? 

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Im Vergleich zu einem Erwachsenen gibt es bei Kindern anatomische und physiologische Besonderheiten.  Kleine Kinder haben einen proportional schwereren und größeren Kopf im Verhältnis zu ihrem Körper als Erwachsene. Der Kopf eines Babys macht 25 Prozent seines Körpergewichtes aus, während der Kopf eines Erwachsenen nur 6 Prozent seines Körpergewichtes darstellt. Außerdem ist der Nacken von Kindern sehr schwach, da sich die Wirbelsäule erst ausbildet. Die Wirbelsäule besteht aus Knochenelementen, die mit Knorpeln verbunden sind. Im Laufe der Jahre entwickelt sich der Knorpel zu einem Knochen und Muskeln sowie Bänder bilden sich nach und nach aus. Durch das Wachstum einer Person verändert sich die Form der Wirbel mit den Jahren von einer horizontalen Ausrichtung zu einer eher sattelförmigen. Durch diese Veränderung der Wirbel wird der Nacken stärker im Laufe der Jahre. 

 

Die häufigste Unfallsituation ist der Frontalaufprall im Auto. Im Falle eines Frontalunfalls wird alles im Innenraum des Autos bei einem plötzlichen Stopp nach vorne geschleudert. Bei vorwärts gerichteten Kindersitzen ist der Körper des Kindes durch die Gurte des Kindersitzes geschützt, während der Kopf des Kindes nach vorne geschleudert und nur durch den Nacken gehalten wird. Dadurch entstehen vor allem bei kleinen Kindern hohe Belastungen für den Nacken, die Wirbelsäule und den Brustkorb. Wenn das Kind rückwärtsgerichtet gesichert ist, wird der Kopf durch den Kindersitz unterstützt und die einwirkenden Kräfte werden über den Rücken und Kopf des Kindes verteilt, ohne den Nacken so stark zu belasten. Rückwärtsgerichtete Kindersitze reduzieren auch die Gefahr einer Verletzung durch Seitenkollisionen. Bei den meisten Seitenkollisionen findet eine Vorwärtsbewegung des Autos statt, die dazu führt, dass das Kind bei einem rückwärtsgerichteten Sitz nach hinten in den Sitz gedrückt wird. Bei vorwärts gerichteten Sitzen ist dies nicht der Fall, da das Kind nach vorne - und nicht in den Sitz - geschleudert wird. Heckaufprälle sind weniger häufig und sie fallen weniger schwer aus. 

 

Internationale Experten stimmen darin überein, dass rückwärtsgerichtete Kindersitze die sicherste Alternative für kleine Kinder sind. Ein deutlicher Trend ist darin zu sehen, dass Kinder immer länger rückwärtsgerichtet transportiert werden. Zum Beispiel wird Eltern in den US empfohlen, rückwärtsgerichtete Sitze bis zu zwei Jahren zu nutzen. Die neue i-Size Regulierung  schreibt den rückwärtsgerichteten Transport von Kindern bis zu 15 Monaten vor. Trotzdem ist dies noch nicht genug, um Kinder in jedem möglichen Unfall zu schützen. Im Falle eines Frontalzusammenstoßes mit hoher Geschwindigkeit braucht auch ein Dreijähriger meiner Meinung nach einen rückwärtsgerichteten Sitz, um den optimalen Schutz zu bekommen. In Deutschland und in anderen Ländern argumentieren Eltern, dass sie vorwärts gerichtete Sitze bevorzugen, da sie ihr Kind gerne sehen möchten, während sie fahren. Außerdem denken sie, dass die Kinder aufgrund des begrenzten Platzes für die Beine unbequem sitzen. Es ist wichtig, dass wir diese Bedenken von einer technischen Sichtweise angehen. Beispielsweise könnte man das Design der Kindersitze verbessern, extra Spiegel verwenden oder den Vordersitz für das Kind zugänglich machen, wenn der Bedarf besteht. Der Platz mit den Beinen ist kein Sicherheitsproblem und meiner Erfahrung nach ist das eher eine Argumentation der Eltern als ein wirkliches Komfortproblem für das Kind. In Schweden fahren Kinder schon seit 50 Jahren rückwärtsgerichtet bis zu einem Alten von 4 Jahren. Diese Erfahrung zeigt, dass es möglich ist. Der Schlüssel ist eine klare und konsistente Kommunikation über die Sicherheitsvorteile. Wenn Eltern die Sicherheitsvorteile verstehen und konsequent rückwärtsgerichtete Kindersitze verwenden, dann werden sie kein Problem damit haben, dieses System für eine längere Zeit zu verwenden als dies heute der Fall ist. Darum ist es so wichtig, die Sicherheitsvorteile zu kommunizieren und kontinuierlich die Kindersitze in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit und Komfort zu verbessern. 

 

 

 

 

 

 

 

02.10.2014

Sicherheit für ältere Kinder: Sitzerhöhung oder doch ein Kindersitz?

PD Dr. med. Dirk W. Sommerfeldt, leitender Arzt der Abteilung für Kinder- und Jugendtraumatologie des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg, ist Spezialist im Bereich Verletzungen bei Kindern. Gerade bei schulpflichtigen Kindern sieht er oft, dass sie nicht richtig gesichert sind. Hier bestehen die größte Gefahr und der größte Handlungsbedarf, glaubt Dr. Sommerfeldt. In seinem Blogbeitrag gibt er Eltern Tipps für die Sicherheit ihrer großen Helden. 

 

Eltern von schulpflichtigen Kindern stehen oft vor einer Wahl: Sitzerhöhung oder ein Sitz mit Seitenschutz und Rückenlehne? Während beim Kauf einer Babyschale Sicherheit noch das wichtigste Kriterium für die Entscheidung ist, spielen bei der Wahl des Sitzes für das ältere Kind oftmals andere Faktoren eine Rolle. 

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Gefühlter Platzmangel im Auto, praktische Handhabung, günstiger Preis, Nutzung als Ersatz-Sitz für das Auto der Großeltern und nicht zuletzt der Wunsch des Kindes („Der Sitz ist uncool!“) sind häufige Gründe, warum sich viele Eltern für eine einfache Sitzerhöhung entscheiden. Rechtlich sind diese Sitzerhöhungen zwar ab einem Gewicht von 15 kg zulässig, jedoch raten viele Experten davon ab. Auch wenn eine einfache Sitzerhöhung auf den ersten Blick praktischer erscheint und günstiger ist, bitte bedenken Sie, dass sie Ihr Kind nicht optimal schützt. 

 

Es gibt zwei grundsätzliche Probleme bei den Sitzerhöhungen. Sie bieten zum einen keinen Schutz für den Kopf, Nacken- und den Seitenbereich des Kindes. Bei einem Seitenaufprall ist das Kind den einwirkenden Kräften im Auto komplett ausgesetzt. Zum anderen verfügen die Sitzerhöhungen über keine Führung für den Diagonalgurt (und im schlimmsten Fall auch über keine Gurthaken für den Beckengurt). Die richtige Positionierung der beiden Gurte ist allerdings sehr wichtig. Wenn der Schultergurt zu dicht am Kopf oder um den Hals liegt, stört er das Kind. Das Kind schiebt dann während der Fahrt den Gurt zur Seite und bleibt nur mit dem Beckengurt gesichert, der sich leider auch oft in der falschen Höhe befindet. Bei einem Unfall kann das Kind unten durchrutschen und durch die Luft fliegen. Ein Sitz mit verstellbarer Rückenlehne verfügt über beide Gurtführungen und sorgt damit für das korrekte Anschnallen. Ein weiterer Vorteil gegenüber einfachen Sitzerhöhungen ist der zusätzliche Schutz für den Kopf, Nacken- und den Seitenbereich des Kindes. Dadurch wird Ihr Kind auch bei Seitenaufprallen optimal geschützt.  

 

Auch wenn es sich um den Zweit-Sitz handelt oder Sie nur kurze Strecken fahren - an der Sicherheit der Kleinen sollte man nicht sparen. Ich empfehle den Eltern immer: Nehmen Sie sich Zeit, und schnallen Sie Ihr Kind richtig an. 

 

 

04.09.2014

Ein Sitz kann nur so gut schützen, wie das schwächste Glied in der Kette – der Mensch

Dr.-Ing. Lars Hannawald ist Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden GmbH und analysiert dort Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Er kennt die Gefahren für PKW-Insassen und erklärt, warum die richtige Installation und Verwendung eines Kindersitzes so wichtig sind und was Eltern dabei beachten sollten. 

 

Fehler bei der Nutzung eines Kindersitzes stellen eine der größten Sicherheitslücken dar, wenn es um die Sicherheit der Kleinsten im PKW geht. Statistisch gesehen ist nur jeder dritte Sitz ordnungsgemäß befestigt*. Doch ein Kindersitz, der nicht richtig verwendet wird, kann im Falle eines Unfalles ein Kind nicht richtig schützen. Damit Eltern wissen, worauf es bei der Installation eines Kindersitzes ankommt, erklärt Dr.-Ing. Lars Hannawald die typischen Fehler und gibt Tipps.   

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Ein Sitz kann nur so gut schützen, wie das schwächste Glied in der Kette – der Mensch

Fehler #3: Viele Eltern wechseln zu früh in den nächstgrößeren Sitz 

Nach der noch geltenden ECE R44/04 Regelung richtet sich die Auswahl des Kindersitzes nach dem Gewicht des Kindes. Insgesamt gibt es fünf Kategorien von Kindersitzen. Viele Eltern wechseln zu früh in die nächsthöhere Gruppe. Aber: Je kleiner die Kinder sind, desto schwächer sind ihre Muskeln und Knochen ausgebildet. Auch ist der Kopf des Kindes im Verhältnis zum Körper noch sehr groß. Aus diesem Grund benötigen kleine Kinder Sitze, die ihren Körper besonders gut stabilisieren. Lassen Sie Ihr Kleinkind deswegen so lange wie möglich rückwärtsgerichtet in der Babyschale fahren. Empfehlenswert ist hier ein rückwärtsgerichteter Transport bis zu 15 Monaten. 

Wenn es dann in den nächstgrößeren Kindersitz geht, sollten Kinder bis vier Jahre in einem Sitz der Gruppe 1 oder 1-2 gesichert werden. Bitte beachten Sie, dass der fahrzeugeigene Gurt für Kinder unter vier Jahren nicht optimal ist. Ist das Kind noch zu klein, kann es im Falle eines Unfalles teilweise aus dem Gurt herausrutschen oder Quetschungen erleiden, da der Gurt am kleinen Körper nicht richtig sitzt. Sitze der Gruppe 1 und 1-2 können mit einem integrierten 5-Punkt-Gurt oder einem Fangkörper ausgestattet sein. Diese halten das Kind sicher im Sitz fest und verteilen die einwirkenden Kräfte über die verschiedenen Angelpunkte des Sitzes.   
 

Fehler #4: Beifahrerairbag wird nicht deaktiviert

Bei einem rückwärtsgerichteten Kindersitz, der auf dem Beifahrersitz installiert ist, muss unbedingt der Frontairbag deaktiviert werden. Im Falle eines Unfalls kann dies sonst schwere oder gar tödliche Folgen für die Kinder haben. Infos zum Abschalten des Airbags finden Sie in der Betriebsanleitung Ihres Autos. Bei Unsicherheiten: Ein kurzer Stopp in der Werkstatt sorgt für Klarheit.

Fehler #5: Der Sitz ist zwar richtig installiert, aber das Kind ist nicht richtig angeschnallt

Ein Großteil der Kinder bis zu vier Jahren werden durch ein Gurtsystem mit fünf Punkten gesichert**. Prüfen Sie, ob die Gurte eng genug am Körper anliegen. Zwei Finger sollten zwischen den Brustkorb und den Gurt passen; ist mehr Platz vorhanden, sitzen die Gurte zu lose. Auch muss das Gurtschloss möglichst tief sitzen, so dass es nicht auf dem oberen Bauch des Kindes aufliegt. Wichtig: Ziehen Sie den Verstellergurt richtig an. 

Fehler #6: Bei Winterjacken und dicken Kleidern sitzt der Gurt oft zu lose

Im Winter sind die Kleinsten meistens dick in ihren Winterjacken eingepackt. Hier besteht die Gefahr, dass die Gurte nicht mehr eng genug am Körper anliegen. Deswegen gilt: Auch auf kurzen Fahrten sollten Jacken möglichst ausgezogen werden, damit die Gurte richtig sitzen. 

Fehler #7: Ältere Kinder werden mit einer Sitzerhöhung transportiert 

Wenn Kinder größer werden, empfinden sie einen Kindersitz oft als „uncool“. Eltern greifen dann zu einer Sitzerhöhung. Das hört sich nach einem guten Kompromiss an, ist es aber nicht: Im Falle eines Unfalles wird das Kind nur noch von dem fahrzeugeigenen Gurt gehalten, darüber hinaus besteht kein weiterer Schutz. Ein Kindersitz schützt ein Kind hingegen auch durch eine seitliche Stütze und einen Rücken- und Kopfschutz und verhindert so, dass das Kind mit dem Kopf an die seitlichen Bereiche des Autos stoßen kann. 

*(Unfallforschung der Versicherer, UDV, Studie zum Fehlgebrauch, 2008)  

** (Online-Umfrage zur Kindersicherheit, 2014. Kleine Helden leben sicher) 

 

 

 

 

 

 

 

 

04.08.2014

Hitzeschlag im Auto – Die oft unterschätzte Gefahr

Mark R. Zonfrillo, unser Experte aus den USA, ist Notfallmediziner und außerordentlicher Professor für Pädiatrie am Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) und Vater von zwei Kleinkindern. Heute spricht er über die Gefahren eines Hitzeschlags bei Kindern, die alleine im Auto zurückgelassen werden.

 

In den Sommermonaten steigen die Temperaturen stark an. Besonders Autofahrer spüren dies intensiv. Ob Sie nur einen kleinen Abstecher in die Stadt machen, oder auf dem Weg in den Urlaub sind, die Temperatur im Auto kann drastisch bis auf das gefährliche Niveau von 54°C ansteigen. Meistens verbinden Eltern dieses Risiko mit sehr heißen Tagen oder südlichen Gebieten, aber wahr ist, dass es überall und zu jeder Zeit passieren kann.

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Hitzeschlag im Auto – Die oft unterschätzte Gefahr

Studien haben gezeigt, dass schon Außentemperaturen von weniger als 20°C zu einem Anstieg der Temperatur im Auto auf mehr als 40°C führen können. Eltern unterschätzen oft, wie schnell sich die Luft im Auto aufheizen kann. 30 Prozent der Kinder, die in den USA an einem Hitzeschlag im Auto gestorben sind, waren weniger als zwei Stunden im Auto. Das direkte Sonnenlicht, welches ununterbrochen durch die Fensterscheiben einfällt, macht das Fahrzeug in kürzester Zeit zu einem Treibhaus. Die Lichtenergie sammelt sich im Auto wie in einer Falle und die Temperaturen steigen sehr schnell auf ein gefährliches Niveau an.

 

Mit wärmeren Außentemperaturen steigt auch die Körpertemperatur solange an, bis die körpereigenen „Kühlungssysteme“ irgendwann ausfallen. Die Risiken sind für kleine Fahrgäste besonders groß, denn die Kinder haben eine niedrigere Toleranzgrenze gegenüber Hitze als Erwachsene. Sie schwitzen weniger und das Verhältnis zwischen Körperoberfläche und Gewicht fällt im Vergleich zu einem Erwachsenen größer aus. Ihr Körper heizt sich fünf Mal schneller auf, als der eines Erwachsenen. Sogar ein milder Tag mit nur 20°C kann für die Kleinen in einem Hitzeschlag enden. Besonders gefährlich ist es allerdings, wenn sich die Kinder nicht selbst aus ihrem Kindersitz und dem Auto befreien können und im Fahrzeug gefangen sind.

 

Die erhöhte Körpertemperatur kann bei einem Kind schnell zu permanenten Schäden, wie beispielsweise Hirnschäden, oder gar zum Tod führen. Wenn die Symptome eines Hitzeschlages eintreten, müssen die Eltern sofort den Notarzt rufen und die Körpertemperatur des Kindes so schnell wie möglich senken. Das Kind sollte sofort an einen kühlen Ort gebracht werden und etwas trinken, wenn es nicht zu müde ist. Zu den Symptomen gehören unter anderem Fieber, rasender Puls, heiße, rote und trockene Haut, Erbrechen und Schläfrigkeit.

 

Es kann nicht häufig und klar genug gesagt werden: Lassen Sie Ihr Kind nie alleine im Auto. Auch nicht dann, wenn das Auto im Schatten geparkt ist und sich kühl anfühlt. Das geöffnete Fenster bringt nicht viel, da die Temperatur im Auto dadurch nicht reduziert werden kann. Nehmen Sie ihr Kind immer mit, wenn Sie das Auto verlassen. Es ist kaum vorstellbar, aber 50 Prozent der Todesfälle bei Kindern in den USA passieren, weil Eltern ihr Kind im Auto vergessen haben. Es muss nichts damit zu tun haben, dass Eltern ihre Pflichten absichtlich vernachlässigen oder leichtsinnig handeln. Auch guten, fürsorglichen Eltern kann das schnell passieren. Wir sind alle manchmal unaufmerksam und wir leben in einer hektischen Gesellschaft. Sie können gestresst oder müde sein, besonders wenn Sie ein Neugeborenes oder mehrere Kinder haben. Sie können durcheinander und aus dem Gleichgewicht sein und einfach vergessen, dass Sie ein schlafendes Kind auf dem Rücksitz haben. Ich kann Eltern daher nur empfehlen, sich immer noch einmal umzudrehen, bevor sie aus dem Auto aussteigen. Auch dann, wenn sie wissen, dass die Kinder nicht dabei sind. Diese wichtige Angewohnheit dauert nur zwei Sekunden, kann aber für das Leben ihres Kindes entscheidend sein.

 

Wenn Sie im Sommer mit Kindern per Auto unterwegs sind, achten Sie bitte auf Folgendes: 

 

Kinder sollten leichte, luftige Kleidung tragen und viel trinken

Setzen Sie den Kindern eine Mütze auf, wenn Sie das Schiebedach öffnen

Machen Sie regelmäßige Pausen und verbringen sie diese, wenn möglich, im Schatten.

 

Für mehr Informationen zur Kinderunfallverhütung, besuchen Sie die Webseite des "Center for Injury Research and Prevention at the Children's Hospital of Philadelphia".  

 

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