Die Top 5 der kritischen chemischen Stoffe

1. Weichmacher

Weichmacher sind chemische Stoffe, die Materialien zugesetzt werden, um diese dehnbar, flexibler oder haltbarer zu machen. Oft werden Weichmacher verwendet, damit sich ein Produkt gut anfühlt oder um die Geschmeidigkeit und Beständigkeit eines Produktes zu verbessern. Sie kommen in sehr unterschiedlichen Produkten aus flexiblem Kunststoff oder Gummi zum Einsatz. In einigen Textilien, Trinkflaschen oder Verpackungen werden ebenfalls Weichmacher verwendet. Gefährliche Weichmacher wurden in den letzten Jahren aus dem Verkehr gezogen und durch unbedenklichere Stoffe ersetzt. Obwohl es in manchen Fällen nicht ganz ohne Weichmacher geht, können sich die Verbraucher darauf verlassen, dass die europäischen Hersteller von Markenprodukten darauf achten, dass bei der Verwendung chemischer Stoffe die geltenden Qualitäts- und Sicherheitsstandards eingehalten werden. Darüber hinaus haben sich zum Beispiel die Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH) einen Verhaltenskodex (Code of Conduct) auferlegt, indem sie sich dazu bekennen, dass die Qualität der Produkte, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kunden oberste Priorität haben. Die selbstauferlegten Qualitätskontrollen gehen dabei teilweise deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Phthalate
Eine Gruppe von Weichmachern, die im Zentrum der öffentlichen Diskussion stehen, sind die Phthalate. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, deren Zugabe dem an sich spröden und harten Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid) elastische Eigenschaften verleiht und ermöglicht, dass er als Weich-Kunststoff eingesetzt wird – daher auch die Bezeichnung „Weichmacher“. Für die verschiedenen Phthalate gibt es unterschiedliche Grenzwerte, um die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen. Die Phthalate DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat), DBP (Dibutylphthalat) und BBP (Benzylbutylphthalat) wurden von der Europäischen Union als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und ihre Anwendung für Babyartikel und Kinderspielzeug im Jahr 2004 verboten. Seit 2008 wurden auch DEHP, DBP und BBP als besonders gefährliche Stoffe eingestuft (siehe SVHC – Substances of Very High Concern). Innerhalb der EU dürfen sie seit Februar 2015 nur noch mit spezieller Genehmigung verwendet werden. Substanzen, die in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC-Stoffe) aufgenommen werden, werden von den Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH) grundsätzlich nicht verwendet.


Für DIDP – und aus Vorsorgegründen auch für DINP und DNOP – besteht in Europa ein Verbot für Babyartikel und Kinderspielzeug, das in den Mund genommen werden kann. Manche Hersteller haben DINP, DNOP und DIDP durch andere und weniger als gesundheitsgefährdend eingestufte Weichmacher ersetzt, wie zum Beispiel durch Hexamoll(R) oder Zitrate-Weichmacher wie ATBC.


Damit ein Produkt die gewünschte Flexibilität und Haltbarkeit besitzt, ist der Einsatz von PVC, und damit auch Weichmachern, manchmal unumgänglich. Das kann zum Beispiel ein Gegenstand aus Kunststoff sein, der für den Gebrauch draußen bestimmt ist und viele Stunden jedem Wind und Wetter standhalten muss, ohne kaputt zu gehen oder die Farbe zu verlieren. Ein anderes Beispiel sind Gegenstände aus durchsichtigem und flexiblem Plastik, die auch bei häufigem Gebrauch nicht zerbrechen, Risse bekommen oder trübe werden sollen. Wo es (technisch) möglich und zumutbar ist, wird Weich-PVC von Industrie und Herstellern jedoch schrittweise mit alternativen flexiblen Kunststoffen wie Polyethylen oder Polypropylen ersetzt.

2. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Die Stoffgruppe der PAK umfasst ca. 10.000 chemische Verbindungen, die aus Ringen von Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen aufgebaut sind. PAK treten fast immer als Gemische auf. Sie entstehen zum Beispiel beim unvollständigen Verbrennen von organischem Material oder werden beim Heizen mit dem Holzofen freigesetzt. Sie sind nicht nur im Ruß von Dieselmotorabgasen enthalten, sondern auch in Tabakrauch und in über Holzkohle gegrillten Speisen. Kinderartikelhersteller verwenden PAK grundsätzlich nicht in ihren Herstellungsprozessen. Dennoch können geringe Spuren von PAK in Endprodukten auftreten – einfach, weil sie in den verwendeten Rohstoffen vorkommen. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle PAK gefährlich sind für Mensch und Umweltorganismen. Ein besorgniserregender Stoff aus der Gruppe der PAK ist Benzo(a)pyrene. Er kann Allergien auslösen, fortpflanzungsgefährdende oder erbgutverändernde Eigenschaften haben. Dieser spezielle Stoff kommt jedoch in Endprodukten kaum vor und wenn, dann nur in sehr geringen Mengen, die nicht gesundheitsgefährdend sind.


Nach der EU-Verordnung 1272/2013 dürfen ab Dezember 2015 Erzeugnisse nicht mehr für die allgemeine Öffentlichkeit in Verkehr gebracht werden, wenn sie Teile enthalten, die bei normaler Verwendung mit der Haut oder der Mundhöhle in Berührung kommen und deren Gehalt an bestimmten, als krebserzeugend eingestuften PAK einen vorgegebenen Grenzwert überschreitet. Für Spielzeug und Artikel für Kleinkinder oder Säuglinge wurde ein niedrigerer Wert von 0,5 mg/kg pro Inhaltsstoff festgelegt. Für Erzeugnisse wie z. B. Sport- und Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Bekleidung oder Armbänder beträgt der Grenzwert 1 Milligramm (mg/kg). Diese Grenzwerte gelten zukünftig verbindlich für alle Verbraucherprodukte, die in der EU vermarktet werden.

3. PFC
Unter der Bezeichnung per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) werden mehr als 800 verschiedene Stoffe zusammengefasst. Sie alle haben ein gemeinsames Strukturmerkmal: Die am Kohlenstoff gebundenen Wasserstoffatome sind komplett – oder teilweise – durch Fluoratome ersetzt. Aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften kommen PFC in Textilien (wetterfeste Funktionsjacken), Kochgeschirr (beschichtete Bratpfannen), Papier und vielen anderen Produkten zum Einsatz.


Die attraktiven Eigenschaften der PFC haben aber auch eine Kehrseite: Die Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor ist natürlichen Abbaumechanismen kaum zugänglich. So sind manche perfluorierte Verbindungen nicht nur in ihren Anwendungen, sondern auch in der Umwelt stabil (persistent). In die Umwelt gelangen sie durch Produktionsverfahren und als Rückstände in vielen Produkten bei der Verwendung sowie bei der Entsorgung.


Perfluorsulfonsäure (PFOS) wurde bereits in die Verbotsliste der Stockholm-Konvention für POPs (persistente organische Schadstoffe) aufgenommen und die Verwendung dieses Stoffes ist für Verbraucherprodukte, die in der EU vermarktet werden, nicht mehr zugelassen. PFOA und das Ammoniumsalz APFO wurden aufgrund ihrer problematischen Eigenschaften in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) aufgenommen. Um die Verbraucher zu schützen, achten die Hersteller von Markenprodukten für Babys und Kleinkinder besonders streng darauf, Stoffe aus dieser Liste in ihren Produkten keinesfalls zu verwenden.

4. Optische Aufheller
Optische Aufheller sind fluoreszierende Substanzen, deren Funktion die Steigerung des Weißgrads und der Helligkeit sowie die Kompensation des Gelbstichs von Materialien ist. Ihre Verwendung finden sie in der Waschmittel-, Textil-, Faser-, Papier- und Kunststoffindustrie. Die meisten weißen Materialien enthalten heute optische Aufheller. Der Stoff erscheint dadurch besonders (leuchtend) weiß. Dies lässt sich unter Schwarzlicht (z. B. in einer Diskothek) sehr gut beobachten. Damit die weißen Textilien, die ein Teil des Produktes sind, nach intensivem Gebrauch oder nach vielen Wäschen nicht die Farbe verlieren, können diese Substanzen für Kinderprodukte verwendet werden.

5. Zinnorganische Verbindungen

Zinnorganische Verbindungen, auch Organozinnverbindungen genannt, setzen sich aus Kohlenwasserstoff und Zinn zusammen. Die bedeutendsten Vertreter dieser Substanzklasse sind das Tributylzinnhydrid (TBT), aber auch Dibutylzinn (DBT) oder Dioctylzinn (DOT). TBT wird als Biozid bei der Herstellung von Unterwasser-Schiffsanstrichen und für Pflanzenschutzmittel verwendet. DBT und DOT werden unter anderem als Stabilisator in Bedarfsgegenständen und in Kleidung eingesetzt. Zinnorganische Verbindungen sind seit vielen Jahren in der Diskussion und können laut Bundesinstitut für Risikobewertung das Immun- und Hormonsystem des Menschen gefährden. Allerdings würde vermutlich erst eine Belastung in höheren Konzentrationen über einen längeren Zeitraum und in Kombination mit anderen Einflüssen krank machen. Seit 2010 wurden in der EU die Grenzwerte für die verschiedenen Verbindungen auf 0,1% Zinn in Artikeln oder Teilen davon beschränkt. Die Verbraucher können sich daher heute sicher sein, dass in den Produkten für Babys und Kleinkinder zinnorganische Verbindungen keine Gesundheitsgefahr darstellen.

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